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Vortrag zu Indien´s Old and New Economy am 22. Februar 2001
Adressen in und zu Indien
Daten zur Indischen Union
Statistiken zur IT Industrie in Indien


Indien Institut e.V.
Oberhachingerstr. 37
D-82031 München-Grünwald
Tel.: +49-89-6491 9852; Fax: +49-89-6491 9852
EMail: info@indien-institut.deUp

Indische Botschaft in Deutschland
Pohl Str. 20, D-10785 Berlin
Konsularabteilung: Tel.: +49-30-48530 02, Fax: +49-30-48530-03

Indisches Kulturinstitut in der IAF
Ben-Gurion-Ring 110a, 60437 Frankfurt am Main,
Tel.: 069-503387   

 

Indien - Der Elefant geht in den Trab über
Vortrag zum ABC Mittagstreffen am 22.02.2001

I. Zum Referenten: Christian Lütkehaus

Christian Lütkehaus ist Geschäftsführer von Portelet Management (India) Pvt. Ltd. (PMI). Eine Abteilung hiervon, InterGest Bombay, ist Franchisenehmer der internationalen Geschäftsführungs- und Verwaltungsorganisation InterGest Worldwide, die derzeit in 60 Ländern vertreten ist. Zu den Klienten gehören beispielsweise der Gerling-Konzern, mehrere TÜV-Gesellschaften, Norma und WMF. In Indien betreuen wir unter anderem Unternehmen der Metallgesellschaft- (Energie & Umwelt), der Ruhrkohle- und der Freudenberg Gruppe sowie der Messen Düsseldorf und Köln.

Schwerpunkt unserer Tätigkeit ist die Gründung und Verwaltung indischer Niederlassungen ausländischer Unternehmen, bis hin zu kaufmännischem Management/ Projektabwicklung vor Ort.
Über das Münchner Verbindungsbüro unserer englischen Muttergesellschaft, Portelet Capital Limited, stehen wir auch in Deutschland für Auskünfte zur Verfügung.

Portelet Capital Limited

II. Zum Thema: Indien - Der Elefant geht in den Trab über
Innerhalb des nachstehend dargestellten Rahmens wird der Vortrag das Problem der Kultur innerhalb der indischen ”Old Economy” ansprechen und dem Geist der indischen Väter der ”New Economy” gegenüberstellen. In diesem Zusammenhang wird auch kurz die ”Green Card” zur Sprache kommen. Außerdem werden die seit 2000 in Indien angekündigten/umgesetzten Reformen kurz erläutert.]

Nach offizieller Ansicht der damaligen Machthaber sollte es im Juli 1991 nur noch eine Frage von wenigen Jahren sein, bis Indien zu den Tigerstaaten und, weniger deutlich ausgedrückt, dafür aber umso mehr im Visier, China aufschließen und konstant ein zumindest vergleichbares Wirtschaftswachstum aufweisen könne. Anlass dieser optimistischen Betrachtungsweise waren die in diesem Moment verkündeten ersten grundlegenden Öffnungsbemühungen des Landes seit Erlangung der Unabhängigkeit im Jahre 1947.

Verbesserten sich seither zwar tatsächlich alle von den in- und vor allem ausländischen Ökonomen typischerweise verfolgten Wirtschaftsdaten, so musste die Euphorie der ersten Jahre seither doch erheblich relativiert werden. Die inländischen Unternehmen hatten sich zu sehr an die Gemütlickeit des ”Licence Raj”, einer monopolistischen, durch die staatlich kontrollierte Vergabe von Lizenzen aufbauenden Wirtschaftsstruktur gewöhnt, um ausreichend schnell auf die neue Wirtschaftsordnung reagieren zu können. Ausländische Unternehmen standen den von indischer Seite propagierten Absatzmöglichkeiten mit Skepsis gegenüber - und/oder mußten sich noch von Enttäuschungen in China erholen - und hielten sich mit Direktinvestitionen zurück.

Weitere hausgemachte Rückschläge folgten als Konsequenz zahlreicher Regierungs-wechsel zwischen 1997 bis 1999 und den Atombombentests im Jahre 1999. Als Indien sich in dieser Zeit eine Herabstufung durch internationale Ratinginstitute gefallen lassen musste, wurde im In- und Ausland einmal mehr das Bild von Indien als langsamer Elefant bemüht und blieb die erhoffte Aufnahme in den Kreis der Tiger aus.

Diese eher nüchterne Darstellung der Erfolge in den ersten acht Jahren seit Einleitung der Wirtschaftsreformen, sollte jedoch nicht den Blick dafür verstellen, dass sich seit der zweiten Jahreshälfte 1999 Anzeichen für eine positive Entwicklung mehren. Tatsächlich besteht jetzt, im neuen Jahrtausend, erneut Anlass zur Hoffnung auf einen beschleunigten Fortschritt der indischen Wirtschaft.

Antriebsfeder ist unzweifelhaft die indische Informationstechnologieindustrie (”IT-Industrie”). Musste vor dem Platzen der Blase ”Y2K-Problem” noch hinterfragt werden, ob denn die indische IT-Industrie tatsächlich eine langfristige Erfolgsstory werden könnte, so hat sich seither gezeigt, dass jedenfalls der hierfür wichtigste Faktor, die Qualität der Unternehmer und der IT-Fachkräfte, ausreichend vorhanden ist. Wird die westliche Welt derzeit zum Teil noch durch die Diskussion um die ”Importierbarkeit” indischer IT-Fachkräfte von der eigentlichen Entwicklung der indischen IT-Industrie abgelenkt, so ist unverkennbar eine rasant zunehmende Wirtschaftsleistung und Schlagkraft der indischen IT-Industrie festzustellen. Wird diese Entwicklung ausreichend gefördert, durch verbesserte Infrastruktur sowie die Beseitigung staatlich verordneter Wachstumshindernisse, wird die IT-Industrie Indien den entscheidenden Impuls geben und auch Unternehmer in anderen Industriezweigen zu einer zukunftsorientierteren Unternehmensführung verleiten.

Auch die Unions- und vor allem Landesregierungen haben erkannt, dass sich eine weitere Chance aufgetan hat. Deutlich scheint zudem in Politik und Gesellschaft angekommen zu sein, dass Indien sein Tempo steigern muss, will es sich nicht eine weitere Chance, vielleicht die Letzte für sehr lange Zeit, entgehen lassen.

Macht auch ein erfolgreicher Industriezweig allein Indien noch nicht zu einem Tiger, so hat es die indische IT-Industrie immerhin geschafft, den Elefanten vom gemächlichen Schritt zum Trab zu bringen. Von der nun einlaufenden Unternehmergeneration hängt es ab, ob mehr daraus wird.

IT Industry in India (IT Directory 2000-01) /Mb

Segment-wise number of IT organisations

Software

Hardware

Telecom

Dotcom

Service Provider

Others

852

802

133

141

166

249

Segment-wise break of turnover (in Rs million)

Software

Hardware

Telecom

Dotcom

Service Provider

Others

Category not listed

216.156

227.372

54.083

25.032

57.936

91.463

30.954

Mit freundlicher Unterstützung durch:

Republik Indien (Indische Union)
Kennzeichen:  IND
Kontinent: S-Asien
Fläche:  3 287 590·km²
Einwohner: ca. 896,6·Mio.
Bevölkerungsdichte: ca. 273 pro·km²
Hauptstadt:  Neu-Delhi
Staatsform:  Parlamentarische Bundesrepublik (seit 1950)
Amtssprachen:  Hindi, Englisch, Drawida-Sprachen
Religionen:  80% Hindus, 11%·Moslems, Sikhs, Jainas, Parsen, Christen, Buddhisten
Währung:  Indische Rupie (iR)
Mitglied in:  Commonwealth, SAARC, UNO
Uhrzeit:  MEZ +4,5

Staatsform: parlamentarische Bundesrepublik seit 1950. Besteht aus 25 Unionsstaaten·mit eigenen Parlamenten u. Reg.: Andhra Pradesh, Arunachal Pradesh (seit 1987), Assam, Bihar, Goa (seit 1987), Gujarat, Haryana, Himachal Pradesh, Jammu u. Kaschmir, Karnataka, Kerala,·Madhya Pradesh,·Maharashtra,·Manipur,·Meghalaya, Nagaland, Orissa, Punjab, Rajasthan, Sikkim, Tamil Nadu, Tripura, Uttar Pradesh, Westbengalen,·Mizoram (seit 1987). Direkt von der Zentralreg. verwaltet werden die Unionsterritorien Andamanen u. Nikobaren, Chandigarh, Dadra u. Nagar Haveli, Delhi, Daman u. Diu, Lakshadweep, Pondicherry. Naturraum: umfaßt den Großteil Vorderasiens; im N Gebirgszüge des Karakorum u. Himalaja, südl. das Indus- u. Gangestiefland u. das Hochland von Dekhan zw. West- u. Ostghats. Bev.: überw. Inder; nach China das bev.reichste Land der Erde. Wirtsch.: überw. Landw., Anbau von Reis, Baumwolle (Dekhan), Jute, Hirse, Weizen, Tee (Assam), Gewürzen; Büffel-, Schaf- u. Ziegenhaltung, größter Rinderbestand der Welt, aber ohne ökonom. Bedeutung; Eisenerz-,·Mangan-, Bauxit- u. Erdölvorkommen; Nahrungsmittel-, Textil- u. Schwerindustrie; Export von Baumwolle, Leder, Tee, Eisenerzen, Edelsteinen. Gesch.: Im 2. Jt. v.Chr. drangen aus Iran Indogermanen ein u. unterwarfen die drawid. Urbevölkerung. Die Eroberer gründeten versch. Reiche. 327-25 v.Chr. unternahm Alexander d. Gr. seinen Zug nach I. Um das 8. Jh.·n. Chr. begann die islam. Eroberung I.s; Hptst. des indo-islam. Reiches wurde Delhi. Ende 1398 brachen die·Mongolen ein. Babur, Enkel Timur Lenks, gründete 1526 das Reich der Großmoguln, das bis 1857 bestand. 1498 landete Vasco da Gama in Calicut an der Westküste. Im 16. Jh. sicherten sich die Portugiesen Stützpunkte (Goa, Bombay,·Malakka, Ceylon, Java u.a.); im 17. Jh. erschienen Franzosen u. Engländer. 1600 Gründung der Britisch-Ostind. Kompanie; der Friede von Paris 1763 sicherte die engl. Vormacht. Eigtl. Begr. des brit.-ind. Reiches waren Lord Clive u. Warren Hastings. 1858 Auflösung der Ostind. Kompanie; I. wurde unmittelbar der engl. Krone unterstellt. Königin Viktoria erhielt 1877 den Titel Kaiserin von I. (Ernennung eines Vizekönigs für I.). Im 1. Weltkrieg kämpfte I. im brit. Reichsverband, wurde nachher·Mitgl. des Völkerbunds, noch ohne Verfassung u. Dominionstatus. In der Folge begann Gandhi seinen gewaltlosen Kampf um die ind. Unabhängigkeit (Hindubewegung). Es folgte stufenweise der Übergang zur Selbstverwaltung durch engl. Gesetzeserlasse. 1937 Birma als Kronkolonie von I. getrennt. I. wurde Bundesstaat unter brit. Oberhoheit. Polit. Gesamtvertretung war in dieser Zeit die Kongreßpartei, geleitet von Nehru (geistiger Führer Gandhi) u. der·Moslemliga unter der Führung Jinnahs, des Verfechters separatist. Tendenzen (Pakistan). Im 2. Weltkrieg wurde I. seitens der brit. Regierung 1942 der Dominionstatus für Kriegsende zugesichert. Im Juni 1945 versprach die Labourregierung (Attlee) I. die volle Unabhängigkeit. Im Rahmen des Commonwealth wurde diese nach langen Verhandlungen zw. Hindus u.·Moslems eingeführt (15.8.1947), unter Teilung I.s in I. u. Pakistan. Die Commonwealth-Konferenz vom 26.4.1949 fand sich damit ab, daß I. Republik wurde u. zw. O u. W eine neutrale Position einnahm.·Mit der Verfassung von 1950 wurde I. zur föderativen Rep. (Indische Union). 1961 Annexion von Goa, Daman u. Diu; 1962 ind.- chin. Grenzkonflikt im Himalaja; 1965 Krieg gegen Pakistan wegen Kaschmir; 1971 Freundschaftspakt·mit der ehem. UdSSR; ind.-pakist. Krieg (Bangladesch); 1984 Ermordung von I. Gandhi (Min.-Präs. 1966-77, 1980-84);·Min.-Präs. bis 1988 ihr Sohn R. Gandhi;·Min.-Präs. 1990/91 Ch. Shekar, 1991 Ermordung R. Ghandis,·Min.-Präs. 1991-96 N. Rao,·Min.-Präs seit 1996 H. D. Dewe Gowda; Staatspräs. seit 1992 S. D. Sharma.

 >> Indien / Wirtschaftsinfos
    Einführung
 I. Wirtschaftliches Umfeld
 Gegenwärtig spricht vieles dafür, dass die Phase der Stagnation beendet ist.
 Die indische Privatwirtschaft hat wieder Selbstvertrauen und erzielt in jüngster
 Zeit deutlich verbesserte Ergebnisse. Indien erlebt gegenwärtig einen
 Konjunkturaufschwung. Die indischen Wirtschaftsverbände prognostizieren
 weiter steigende Gewinne und spätestens ab dem Jahr 2001 auch wieder
 höhere Investitionen. Im Jahre 2001 dürfte sich das Wirtschaftswachstum
 deutlich beschleunigen. Die relativ stabile Regierung Vajpayec will den
 Reformprozess fortsetzen. Die Befürworter einer nationalistischen
 Abschottungspolitik - oft unter dem Schlagwort "swadeshi" diskutiert - haben
 deutlich an Einfluss verloren. Eine gängige Kritik an den indischen
 Wirtschaftsreformen ist jedoch, dass vieles angekündigt ist, doch kaum
 etwas umgesetzt wird. Der Handlungsbedarf ist erheblich: Verbesserung der
 Infrastruktur, Privatisierung der Staatsbetriebe, Abbau von Subventionen,
 Beseitigung bürokratischer Hemmnisse, Abbau des hohen Haushaltsdefizits,
 etc.

 II. Außenhandel
 Die deutsch indischen Wirtschaftsbeziehungen werden vom
 Wirtschaftswachstum auf dem Subkontinent profitieren. Die Belebung des
 Exportgeschäfts nach Indien wird im Jahr 2000 aber wenig spektakulär
 ausfallen. Größere Neuinvestitionen der indischen Privatwirtschaft wie auch
 im Infrastrukturbereich werden zwar diskutiert, haben aber noch kein
 konkretes Stadium erreicht. Eine spürbare Belebung ist erst ab 2001 zu
 erwarten. Die deutlich verbesserten Chancen im Gebrauchs- und
 Konsumgüterbereich werden von der deutschen Wirtschaft kaum
 wahrgenommen.

 Das Image von "Made in India" hat sich in Deutschland durch die Diskussion
 um die "Green Cards" für indische Softwareexperten deutlich verbessert. Der
 indische Export wird davon jedoch nur mittelfristig profitieren. Gegenwärtig
 leidet der indische Absatz unter der Stärke der indischen Währung, der
 Euro-Schwäche und der Konkurrenz aus anderen asiatischen Ländern.
 Mittelfristig wird Indien jedoch von seiner zunehmenden Präsenz auf
 deutschen Messeveranstaltungen und vom verstärkten Engagement der
 deutschen Messen in Indien profitieren. Alle deutschen Großmessen planen
 gegenwärtig die Organisation von Messeveranstaltungen in Indien.

 III. Wettbewerbsfähigkeit
 "Made in Germany" hat zwar nach wie vor einen hohen Ruf in Indien.
 Dennoch hat die deutsche Industrie teilweise deutlich Marktanteile gegenüber
 der ausländischen Konkurrenz, insbesondere aus USA, aber auch aus
 Europa und den asiatischen Ländern verloren. Die Wettbewerbsfähigkeit ist
 lediglich gegenüber der inländischen Konkurrenz stabil geblieben. Als Gründe
 werden vor allem die hohen Preise genannt.

 In den letzten Jahrzehnten wurde versäumt, für den Studien-Standort
 Deutschland zu werben. Gegenwärtig ist der prozentuale Anteil indischer
 Studenten unter den ausländischen Studenten in Deutschland genau so
 niedrig, wie der Anteil Indiens am deutschen Außenhandel, nämlich weniger
 als 1 %. Entsprechend niedrig ist gegenwärtig die Zahl indischer
 Führungskräfte mit einer Bindung nach Deutschland. Auch dies wirkt sich
 belastend auf unsere Wettbewerbsfähigkeit aus, insbesondere im Vergleich
 zu den USA.

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